Archiv der Kategorie: Bericht

Nach 22 Jahren wieder mal dabei

Mein Name ist Angela Daniela und bin Transfrau. Spontan habe ich mich für den Septembertreff angemeldet. Vorgängig habe ich wieder Kontakt mit Leila aufgenommen, die ich schon seit langer Zeit kenne.

Als ich dann im Al Ponte ankam hat mich Marion gleich begrüsst. Sofort kamen wir ins Gespräch und sie sagte mir, dass eine Angela heute Abend zum ersten Mal käme. Ein Schmunzeln lag auf meinem Gesicht und ich habe sie dann aufgeklärt. Vor 22 Jahren war ich gemeinsam mit meiner damaligen Ehefrau zum letzten Mal an einem GWHF-Treffen. Schon vorher waren wir ein paarmal dort und auch bei Daniela in Biel.

Damals gab es noch eine Bar im UG des Al Ponte in der wir uns anfangs getroffen haben, was aber nicht sonderlich geschickt war. Die Musik war viel zu laut und man (frau) konnte sich kaum unterhalten. Auch waren die Polstersitze dermassen tief, dass einige Girls mit ihren superkurzen Minis Probleme hatten sich zu setzen. Später wurde der Abend dann oben gestartet und man ging nachher noch in die Bar. Mein Eindruck heute – es ist nicht mehr so schrill. Wir sind halt doch ein, zwei Tage älter geworden 😊. Aber die Gespräche sind dafür interessanter und der Abend wird mehr genossen, sei es kulinarisch oder auch bei den Gesprächen vorne an der Bar.

Das Gefühl, dass etwas bei mir nicht richtig ist, habe ich seit dem Kindergarten. Deshalb wollte ich nach meiner Scheidung auch den Weg als Transfrau aufnehmen. Aus Existenzängsten habe ich es dann aber nicht gemacht. Die ganzen Jahre bis heute lebte ich in meiner Freizeit aber sehr oft als Frau.
Dieses Jahr bin ich nun pensioniert worden und somit waren auch die Ängste kein Thema mehr. Am 28. April 23 habe ich dann die Personenstandsänderung vollzogen und lebe nun vollständig als Frau. Gleichzeitig bin ich in Behandlung im Kanti Basel und wenn alles klappt, habe ich im Jahr 2024 meine GAOP.

Es war interessant am Freitag, waren doch mit Leila, Daniela und Miranda bekannte Gesichter vor Ort. Mir hat es sehr gefallen und ich konnte einige Fragen zu meiner Person beantworten. Ich denke, dass ich meinen Beitrag leisten kann und meine Erfahrung im Zusammenhang mit meinem zukünftigen Weg weitergeben kann.

Ich komme gerne wieder im Oktober.

Liebe Grüsse
Angela Daniela

Eine Art Befreiung

Bericht: Lara, Foto: Stephan

Ich wurde zwar als Junge geboren, aber so richtig männlich habe ich mich nie gefühlt. Während meines Aufwachsens hörte ich auch immer wieder Sätze wie „Du bist und denkst wie eine Frau“ oder „Sei doch ein Mann“ und „Bist du ein Mädchen?“

Ich hätte schon in der Schule zwischendurch gerne Minijupes und
rückenfreie Tops getragen. Das war aber in den frühen 70er-Jahren ein Ding der Unmöglichkeit.
Ich hasste Fussball und all die anderen Mannschaftssportarten, hatte aber riesige technische Interessen – grosse Motoren, Dampf- und sonstige Maschinen zogen mich magisch an und tun es heute noch.

Ich habe immer mal wieder zwischendurch im Versteckten Lippenstift, Nagellack und weibliche Kleidung getragen, meine Weiblichkeit aber bis vor kurzem unter einem Deckel gehalten. Mich zu offenbaren war schon aus rein beruflichen Gründen zu gefährlich. Aber seit dem vergangenen Sommer bin ich nun doch so weit, dass ich „en Femme“ in die Stadt gehen und in verschiedenen Geschäften einkaufen kann.

Durch Zufall bin ich im Internet auf die Seite von GWHF gestossen. Ich habe lange mit mir gehadert. Soll ich mich da zu einem der monatlichen Treffen anmelden? Wäre das gut für mich? Schliesslich habe ich mich dazu durchgerungen und wurde nicht enttäuscht.

Der vergangene Freitag war für mich eine Art Befreiung und die Bestätigung dafür, dass ich nicht einfach falsch liege und ein Anrecht auf mein Anderssein habe. Ich habe die ruhige und aufgeschlossene Atmosphäre sehr genossen. Es gab interessante Gespräche jenseits von Fussball, Tennis, protzigen Autos, Betty Bossy und Macramé. Es war einfach nur schön.

Am Ende des Abends bin ich richtig glücklich nach Hause gefahren.

Vielen Dank für die Unterstützung/Einführung an Marion und Stephan.

Bis zum nächsten Mal.

Nicht binäre liebe Grüsse
Lara

Wolfgang’s Coming-out

Hallo Ihr Lieben

Nun ist es ein Update, oder besser gesagt ein Follow-Up von meiner einschneidenden Lebenserfahrung mit Euch am 1. April. Seht hierfür auch meinen Bericht „Als Mann beim GWHF-Monatstreff“. Ich bitte um Verständnis, besser gesagt um Euer Verzeihen, wenn ich mich nicht mehr an jede Person erinnern kann, denn jede von Euch hat dazu beigetragen was ich Euch heute schreibe. An dieser Stelle als Dankeschön jeder eine Rose und ein Küsschen!
Was ist mit mir passiert und was ist mit meinem Umfeld geschehen? …. Viel, sehr viel!
Nun der Reihe nach.

Noch auf dem Nachhauseweg von dem Treffen, war ich emotional sehr aufgewühlt. Eure Gespräche gingen mir kreuz und quer durch den Kopf – einerseits euphorisch, andererseits mit Wehmut. Am darauffolgenden Tag war ich still und sehr in mich gekehrt. Meine Frau fragte nach, was mit mir los sei, konnte, nein wollte ihr aber keine Antwort geben. In mir kreiste ein Gedanke: ich muss es ihr sagen, aber was soll ich ihr sagen? Hört sich dumm an, ist aber sehr komplex. Ich wusste nicht einmal was und wer ich bin, geschweige denn wohin die Reise geht!

Meine grösste Angst, die mich beinahe in Panik versetzte, war, dass ich alles verliere, speziell die, die ich liebe. Da traf ich die Entscheidung, alles mal ruhig anzugehen. Im Joyclub habe ich einen Thread gestartet, der zwar auf geringes Interesse stiess, aber mir die Offenbarung bot. Jemand schrieb, ich sei gynosexuell mit Gynophilie! Hä, was ist das, habe ich noch nie gehört. Ab zum Googeln, und als ich dann erfuhr was das bedeutet, was es beinhaltet oder welche Menschen es betrifft und deren Geschichten, fiel ein Dominostein nach dem anderen um. Mir wurde klar was ich bin, wer ich bin und wohin die Reise geht. Es wurde mir klar, wieso ich alles weibliche liebe, wieso ich Seiden- und Satin Pyjamas trage, wieso ich manchmal zarte Spitzenslips und Strümpfe trage, aber dennoch kein Transgender oder DWT bin, sondern ein Mann, der als Mann wahrgenommen werden will.
Von da an machten alle Gespräche mit Euch einen anderen Sinn. Es zeigte mir auf, dass ich einerseits zu Euch gehöre, andererseits aber auch nicht. In den darauf folgenden 3 Tagen schusterte ich mir meine Erklärung und alles Weitere für das Gespräch mit meiner Frau zusammen. Sein Coming-out seiner Frau mitzuteilen, mit der man über 25 Jahren sehr glücklich verheiratet ist, ist sehr speziell…. Einige von Euch wissen was ich damit meine.

Am Tag meines Geständnisses an meine Frau kann ich Euch nicht mitteilen was in mir los war – nur Chaos! Bei einem Glas Wein nach dem Nachtessen, teilte ich Ihr alles mit. Sie erfuhr von Euch, meinem Weg den ich gegangen bin und den Weg den ich gehen werde mit ihr, meiner Gynosexualität, meiner Gynophilie, meine Fetische und so. Ich war sehr überrascht wie sie es aufgenommen hat, speziell, dass sie mich nur als weinendes Häufchen in die Arme nahm, mir zärtlich über den Kopf streichelte und meinte, „ich habe es immer in diese Richtung gefühlt. Es ist in Ordnung. Danke dass wir darüber gesprochen haben. Wir werden gemeinsam dies einvernehmlich in unseren Alltag einbinden“. Unbeschreiblich was mit mir dann los war, sie musste mich sehr, sehr lange beruhigen und in dieser Nacht konnte ich nicht schlafen, denn mein Herz und Kopf hatten anderes vor.
In den nächsten Tagen kaufte ich mir Strümpfe und Strumpfhosen, Slips, und anderes, was ich gerne hatte und meine Frau machte eine Kommodenschublade frei für meine Sachen, mit der Auflage, nicht zu übertreiben und nicht öffentlichkeitswirksam aufzutreten.
Meine Tochter, Familie und Umfeld wissen aber weiterhin nichts von meiner Veranlagung.

Dass meine Frau mein Outing so gut aufgenommen hat, lag vermutlich daran, dass ich ihr über Monate, nein über Jahre hinweg immer wieder kleine Inputs, unscheinbare Winke, oder was auch immer, gab. Wenn sie zum Beispiel feine Strümpfe trägt, streichle ich zärtlich ihre Beine, sage ihr, dass sie ihr gut stehen und dass es sich auch für mich gut anfühlt. Oder wenn wir in einem Laden schöne Dessous sehen, teile ich ihr mit, dass diese nicht nur ihr gut stehen würden, sondern auch zu mir passen würden und vieles mehr.
Weil ich sie auf das Gespräch sehr lange vorbereitet hatte und dann, als es soweit war, ihr klar und sicher mein Outing mitteilte, ist für sie keine Welt zusammengebrochen, sondern es hat sich für sie aus den vielen Puzzle-Teilen ein Gesamtbild ergeben. Vielleicht war es das, oder die Sicherheit, dass ich ihr nach wie vor als liebevoller Gatte, der sich als Mann fühlt aber mit einer weiblichen Seite, der Zartes, Feines gerne hat und alles Weibliche liebt, zur Seite stehe.

Ich hoffe an dieser Stelle, dass ihr mich nicht vergesst und ich werde bemüht sein, ein weiteres Treffen im Al Ponte mit Euch zu geniessen.
Ich wünsche Euch allen, viel Liebe, Stärke und bleibt so wie Ihr seid

Euer Wolfgang

Gemütlich, Witzig, Herzlich, Farbig – Danke Ladies, Danke GWHF!

Ein warmer Spätfrühlingstag neigt sich am Samstag, 3. Juni 2023 dem Ende entgegen als ich kurz nach 18 Uhr beim Restaurant Al Ponte eintreffe. In der Lobby haben sich schon etwa 10 Ladies zum Begrüssungs-Apéro eingefunden. Es wird gelacht, erzählt und angestossen. Ich setzte mich zu Debora und ihrer Partnerin Ursi. Seit meinem letzten Treffen im April hat sich zu ihnen eine Freundschaft entwickelt. Im März hatte ich gegenüber meiner Partnerin mein Coming-out und war dankbar, dass sich Ursi und Debi im April bereit erklärt hatten, sich mit mir und meiner Partnerin zu einem Nachtessen zu treffen. Für meine Partnerin war der Abend und insbesondere der Austausch mit Ursi sehr wertvoll, um den Schock, den mein Coming-out bei ihr verursacht hatte, zu verarbeiten. Damit möchte ich aufzeigen, wie wertvoll das GWHF-Treffen ist, um persönliche Kontakte zu knüpfen.

Nach und nach füllt sich im Al Ponte die gemütliche Empfangsecke mit bekannten und neuen Gesichtern. Ladylike werden die Eintreffenden herzlich und offen begrüsst und Komplimente zu Outfit und Make Up ausgeteilt – was wünscht sich eine Frau mehr? Bier und Cüpli sind noch nicht alle ausgetrunken als sich die GWHF-Community um 19 Uhr in den gut besonnten und verglasten Speisesaal verschiebt. Aufgrund eines Gesellschaftsanlasses steht uns die Terrasse leider nicht zur Verfügung. Es bedarf im Alltag einer Frau oft einer helfenden Männerhand. Nachdem die Temperatur im Saal bereits nach kurzer Zeit eine unangenehme Höhe erreicht hat, erlöst uns ein Kellner und öffnet ein Fenster der grossen Glasfront. Grazie mille. Das Personal im Al Ponte ist wie immer sehr höflich und zuvorkommend, herzlichen Dank.

Der Sommer kündigt sich auch in der Auswahl von Köstlichkeiten auf der Speisekarte an. Trotzdem ist das Spektrum gross und reicht von bekömmlichen Gerichten der kalten Küche bis hin zu warmem Währschaftem. Ein paar Ladies folgen der Weinempfehlung des Chefs des Hauses, „e rote Excelsis“ – sie werden es nicht bereuen, wie sich später beim Dinieren herausstellt.
Die Zeit verfliegt beim Essen und Herz teilen. Fröhliche Geschichten und Erlebnisse entlocken Lacher. Nicht selten ist Shopping dabei das zugrunde liegende Szenario. Schwereres ist aus Familiengeschichten zu entnehmen, die nicht wie gewünscht verlaufen. Zuspruch oder nur schon das Zuhören vermögen das Schicksal erträglicher zu machen.

Stephan fotografiert fleissig die Models des Abends – herzlichen Dank, Stephan. Ehe man sich versieht, wird einem die Dessertkarte gereicht. Der „Qual“ der Wahl entgehe ich schweren Herzens, die Angst vor zu viel Kalorien wiegt zu gross. Dafür gönne ich mir gegen 23 Uhr noch ein alkoholfreies Bier an der Bar, wo sich die letzten Nachtschwärmerinnen bereits zu einem Abschiedstrunk versammelt haben. Die Jungen und Junggebliebenen ziehen weiter zu nächsten Lokalen, während ich mich nach einer herzlichen Verabschiedung auf den Heimweg mache, dankbar, dass ich vor ein paar Monaten den Mut gefasst habe, einmal bei einem GWHF-Nachtessen im Al Ponte hereinzuschauen. Mein Coming-out und die Passing-Phase gestalten sich mit Rat und Verbundenheit erfahrener trans Frauen leichter.

Herzlich
Marcielle (58) aus Bolligen

Manuela’s Schritte in die Öffentlichkeit

Nachdem ich schon seit vielen Jahre zu Hause ab und zu Damenkleider trage um meine feminine Seite auszuleben, habe ich im Jahr 2023 begonnen, mich auch in die Öffentlichkeit zu wagen. Zuerst mit kleinen Spaziergängen etwas abseits von Menschen, dann in kleinere belebtere Strassen, mit Besuchen in Shopping-Centern und schliesslich auch mit Ausflügen nach Zürich, Bern und in andere Städte.

Ich habe dadurch entdeckt, wie unendlich viel Spass es mir macht, Frau zu sein, mich entsprechend zu kleiden, zu schminken und auch so aufzutreten. Meine anfänglichen Zweifel haben sich schnell zerschlagen und ich habe rasch gemerkt, dass ich als Frau akzeptiert und wahrgenommen werde.

Es macht mir auch sehr viel Spass, auf den Modeportalen neue Outfits zusammenzustellen und zu bestellen. Die Vorfreude auf die Sendungen ist jeweils gross und erst recht die Freude, wenn die Artikel dann auch passen. Ebenso aufregend und befriedigend finde ich es, chic geschminkt als Frau in den Damenmode-Abteilungen rumzuschlendern und neue Kleider anzuprobieren und allenfalls zu kaufen. Und so freue ich mich jedes Mal darauf, Manuela’s „Ladies Days“ zu geniessen.

Ich bezeichne mich gerne als „Teilzeit-Frau“, lebe mein Leben als Mann ganz normal und nehme mir einfach ab und zu eine Auszeit als Frau – für mich, zum Spass und als Abwechslung. Ich liebe die Mode und ich liebe es mittlerweile auch sehr, als Frau öffentlich auszugehen und wahrgenommen zu werden.

Sehr gerne „dokumentiere“ ich meine kleinen Ausflüge auch mit Bildern, welche ich mit dem Handy, mit einer GoPro und ab und zu sogar mit einer Drohne von mir mache.

Nun denn, die logische Schlussfolgerung aus all den Aktivitäten war natürlich ein Treffen mit GWHF-Frauen und so entschied ich mich, zum ersten Mal an das monatliche Treffen im Mai zu gehen. Ich war sehr gespannt auf die anderen Frauen und wie das so sein wird, sich mit Gleichgesinnten auszutauschen. In der Vorbereitung hatte ich natürlich das Problem „was ziehe ich an?“ – ladylike, elegant oder eher sportlich? Sind High Heels „overdressed“? Hosen oder Jupe? Usw. usw. Ich entschied mich dann schlussendlich für eine „Mittelversion“ – feminin mit Jupe, Bluse, einem schönen Tuch und nicht zu hohen Schuhen. Ich glaube, ich habe das Outfit ganz gut ausgewählt. Ich stellte beim Treffen auch fest, dass jede Dame ihren eigenen Stil hat und pflegt und es eigentlich ganz egal ist, was man trägt.

Ich traf dann um 18:30 zum Apéro ein und ich wurde sofort freundlich begrüsst und nach kurzer Zeit war ich im Gespräch mit verschiedenen Frauen. Etwas gewöhnungsbedürftig war es am Anfang schon, aber schon nach kurzer Zeit war alles wie selbstverständlich.

Ein feines Essen, ein kurzes Fotoshooting, ein Abschlussdrink an der Bar und gute Gespräche – so muss ein guter Abend sein!

Ich danke der GWHF-Familie für die freundliche Aufnahme. Ich komme sicher wieder, jedoch sind die Tage Freitag und Samstag für mich nicht ideal. Aber ich werde mir sicher hin und wieder die Zeit dafür frei schaufeln können.

Ich hoffe, ich kann mich auch ab und zu mit anderen Frauen mal zum Essen oder zum Shoppen treffen, denn ich habe gelernt, dass es sehr viel mehr Spass macht mit anderen Frauen unterwegs zu sein, als immer nur alleine.

In diesem Sinne „bis bald“!

Manuela

Als Mann beim GWHF-Monatstreff

Jasmin – nicht nur ein wunderschöner Name, sondern auch eine Blume mit einem sinnlichen Duft der betört.

Am 1. April, kein Aprilscherz, war ich beim monatlichen Treffen von GWHF im Al Ponte in Wangen an der Aare.
An sich für die Mitglieder dieser Community nichts Aussergewöhnliches, denn es ist Ihr Treffpunkt, wo Sie sich in ungezwungener Atmosphäre öffentlich begegnen. Für mich aber „ein unbedeutender Schritt für die Menschheit, aber ein riesen Schritt für mich.“ (Zitat eines Mitgliedes).

Nun mal vorweg – ich bin ein Mann, der gerne auch als Mann wahrgenommen wird, mit männlichen Zügen, aber mit einigen weiblichen Attributen. Genau diese weiblichen Teile von mir haben mich bewogen, an diesem Treffen von GWHF teilzunehmen. Ich hoffte, dass ich auf Fragen wie „Was bin ich?“ oder „Wohin geht meine Reise?“ einige klärende Antworten bekomme, aber es kam anders – speziell!

Bereits Tage vor dem Treffen war ich sehr nervös, fragte mich stets, was soll ich anziehen? Wie soll ich auftreten? Werde ich akzeptiert? Und viele weitere Fragen kreisten in meinen Gedanken. Aber das vordringlichste Problem war, was ziehe ich an? In einem Punkt war ich mir sicher, dass die Damen sich sicher herausputzen und Ihre Lieblingskleider, Neuerwerbungen oder einfach Ihr Bestes anziehen werden. In diesem Sinne entschied ich, mich auch elegant zu Kleiden und als Zeichen meines Respekts habe ich mich für eine Krawatte entschieden. Am Tag des Treffens habe ich um die 5 unterschiedlichsten Krawatten ausprobiert, war dann kurz davor, die sogar wegzulassen, aber entschied mich schliesslich doch noch für eine klassische Krawatte.

Auf dem Weg zum Restaurant musste ich mal einen Stau in Basel und einen zweiten in Egerkingen überwinden und wäre beinahe zu spät gekommen. Während der Fahrt fragte ich mich zum wiederholten Male, ob ich akzeptiert werde, oder ob die mich in eine Ecke stellen oder einfach zerfleischen und verspeisen. Nun ja, als ich ankam sah ich durchwegs elegant gekleidete Damen jeglichen Alters und diversesten Styles. Ich begrüsste die Frauen und hatte das riesen Glück, genau in der Mitte der Gesellschaft zu sitzen. So ergaben sich schnell sehr spannende Gespräche. Nach den ersten 30 Minuten wurde mir klar, hier werde ich nicht zerfleischt und verspeist, da das Essen im Al Ponte sowieso leckerer war als ich…

Auf eine Weise war ich sehr überwältigt, wie offen und herzlich die Damen mit mir sprachen, lachten und ihre Erlebnisse teilten. Ich merkte sofort, dass jede von ihnen eine sehr kostbare Bereicherung unserer Gesellschaft ist und dass Sanftheit und die Liebe zum Sanften als Stärke gesehen und gelebt wird. Genau diese Sanftheit stärkte die Damen in Ihrer Vergangenheit und Zukunft. Einerseits bewunderte ich Ihre Stärke, Mut zu zeigen und sich, wie sie sind, ehrlich dem Leben in der Öffentlichkeit zu stellen. Andererseits fühlte ich mich feige, denn ich verdränge und unterdrücke meine Gefühle. Je länger der Abend wurde, desto wunderbarer wurden die Gespräche. Ich konnte frei kommunizieren, sprach von Gefühlen, Leidenschaften, Begehrlichkeiten und vielem mehr. Niemals wurde mir gesagt oder zu verstehen gegeben, dass ich dummes Zeug schwatze oder irgendwie abnormal oder einfach nur ein Weichei wäre. An dieser Stelle ein riesen Dankeschön an alle Gesprächspartnerinnen.

Auf die Frage, wie ihre Familien oder Ehefrauen mit der Situation umgingen, musste ich schöne, aber auch sehr traurige Geschichten hören. Am liebsten hätte ich mich einfach nur schützend von diesen zarten und zerbrechlichen Seelen hingeworfen und getröstet. Leider wurde mir aber immer stärker meine eigene Situation bewusst. Und es wurde mir auch immer klarer, dass alle, wie auch der Weg verlaufen wird, einen sehr hohen Tribut zahlen.

Gegen Ende des Abends lernte ich Regina kennen. Sie schaffte es in 5 Minuten mein tiefstes „dunkles“ Innere zu berühren, meine Ängste, meine Liebe, meine Seele gleichzeitig anzusprechen und mir bewusst zu werden, dass extrem viel auf dem Spiel steht und dass ich das wichtigste in meinem Leben inklusive meiner Vergangenheit verlieren kann. Ich bewunderte diese Frau nur und hatte Probleme, irgendetwas Gescheites zu sagen. Am Ende des Abends war es dann so locker und ungezwungen, so dass wir über die Geschichten von Asterix und Obelix plauderten und lachten.

Als ich nach Hause fuhr, war ich mir sicher, dass ich wieder an einem oder sogar an weiteren Anlässen teilnehmen werde. Ich fühlte mich sehr wohl in diesem Kreis, als hätte ich mich mit Freunden zu einem Jass-Abend getroffen und nicht nur übers Jassen, sondern auch über Gott und die Welt geplaudert.

Und zum Schluss – wieso Jasmin am Anfang dieses Berichtes? Ich wurde gefragt, wie ich mich nennen würde, wenn ich ein Mädchen wäre – JASMIN!

Liebe Grüsse
Wolfgang

Natasha’s Experience / Natasha’s Erfahrung


Bettie’s Rückblick

Im Januar besuchte ich meine langjährige        Freundin Marion und trug unter meiner Jeans eine hauchdünne braune Strumpfhose. Sie       bat mich meine Schuhe auszuziehen und ich    bemerkte   ihren flüchtigen Blick auf meine      bestrumpften Füsse und beschloss ganz spontan mich zu outen. Seit meiner frühen Kindheit sei ich fasziniert von Strümpfen und Strumpfhosen, trage diese wann immer es möglich sei. Und seit ein paar Jahren auch Dessous und Heels, dies aber ausschliesslich alleine und nur Zuhause oder in Hotels.

Sie fand das völlig ok und gab mir den Rat, mich doch mal mit Gleichgesinnten auszutauschen. Die Gruppe GWHF wurde mir vor vielen Jahren von einer netten Frau in Bern empfohlen. Ich hatte mich allerdings bisher nie getraut, Kontakt aufzunehmen.

Im Februar schrieb ich schliesslich GWHF an und Petra schrieb mir ein sehr nettes Mail retour und ich meldete mich als „Bettie“, mit Marion als Begleitung, für das Treffen im März an.

Letzten Freitag war es soweit, ich dezent mit Hose und Bluse, Perücke, etwas Lippenstift und Heels, betraten wir, eine Stunde zu früh, dass Al Ponte. Du meine Güte, nur Männer soweit das Auge reichte! Ohne Marion wäre ich vermutlich subito wieder gegangen. Wir suchten uns einen Platz in der Lounge, gleichzeitig traf auch Petra ein und wir hatten ein sehr nettes Gespräch. Etwas später kamen Nicole und Maike dazu und wir hatten auch mit ihnen eine sehr angeregte Unterhaltung.

Beim späteren Gang durch den Speisesaal zu den Tischen, fühlte ich mich aber plötzlich nicht mehr wohl, auch die Vorstellung mit meinem weiblichen Nickname „Bettie“ – den hatte ich erst kürzlich, als Hommage an Bettie Page, meinem   Jugendidol, gewählt – löste in mir etwas Unbehagen aus. Die Tischgespräche und die Girls mit denen ich mich austauschte, waren allesamt niveauvoll, spannend und sehr angenehm! Trotz allem fühlte ich mich je länger je unwohler, die Perücke und die geschminkten Lippen, das war nicht wirklich ich. Ich getraute mich auch nicht auf die Toilette, der Gang dorthin und in welche gehe ich denn…

Seither sind nun einige Tage vergangen – Fazit, ich bin vermutlich ein klassischer DWT oder ein Mann mit einem ausgeprägten Strumpffetisch. Zuhause hat es sehr wohl seinen Reiz mich weiblich zu kleiden, aber in der Öffentlichkeit bin ich mir nicht mehr so sicher. Vielleicht ging aber auch alles ein bisschen zu schnell. Ich werde aber sicherlich wiederkommen, es war definitiv eine sympathische Truppe! Das nächste Mal aber vorerst ohne Lippenstift, Perücke und Heels, dafür aber mit meinem richtigen Namen Markus.

Liebe Grüsse
Markus

PS. Sollte sich jemand aus der Region Zürich als Patin zur Verfügung stellen, würde mich das sehr freuen!

Ein lieber Brief von Debora

Guten Tag Petra, liebe Mädels

Seit dem Februar Monatstreff von GWHF ist bereits  wieder mehr als eine Woche vergangen. Wir bedanken uns beide, meine Frau und ich, Debora, für den wundervollen Abend den wir mit euch tollen Mädels und dir Petra verbringen durften.

Meine Frau hat mich schon seit langem inspiriert, endlich mal an einem Monatstreff teilzunehmen.
Beim ersten Versuch im Januar 23 wurde leider nichts daraus, dafür war’s beim zweiten Versuch umso schöner.

Petra, dank deiner freundlichen Begrüssung beim Apéro und von allen Mädels umgeben, hatte ich nicht mal Zeit mich in der Runde unwohl zu fühlen.
Beim Smalltalk unter uns Mädels verging die Zeit wie im Flug und schon bot uns Petra auf, uns zum Abendessen ins Restaurant zu begeben.

Es hat mir gezeigt, dass ich nicht der Einzige auf dieser Welt bin, der sich als Mann äusserlich und innerlich zur Frau
machen will und sich dabei sehr wohl fühlt, es auch öffentlich zeigen und dazu stehen kann. Für mich ist es jedes Mal etwas Besonderes mich in der Rolle als Frau zu präsentieren.

Jede von uns Mädels hat einen anderen Bezug und eine
andere Vorstellung dazu. Doch wenn man den ersten Schritt dazu gemacht hat, kann man es nicht mehr lassen.
Vom Strumpf über den Rock, Kosmetik, Perücke und so weiter, was einem gefällt, sich einfach wie eine Frau schön                 herrichten, so weit wie man es möchte.

Mit einem Lächeln sich öffentlich zeigen, so dass man den Mitmenschen etwas gibt.
Nicht zu lange nachdenken, einfach machen, das ist meine Devise. Mit Herzblut geht alles ein wenig leichter, auch wenn es manchmal etwas schwerer erscheint.
Das haben mir die Mädels am Monatstreff von GWHF gezeigt,
Chapeau!

Alles ist möglich, es liegt an jeder und jedem Einzelnen wie wir uns gegenüber der Gesellschaft geben und präsentieren. Für das leben wir!
Wir alle müssen uns das Ansehen als Mann wie auch als Frau verdienen ob wir wollen oder nicht, nur so werden wir respektiert.

Petra, ich bin froh, gibt es euch alle und freue mich auf ein Wiedersehen mit euch.

Liebe Grüsse an alle Mädels
Debora

Gabo hat sich getraut

Seit Jahren lese ich still und heimlich die Beiträge auf GWHF. Oft habe ich mich gefragt, wie es wäre, da auch mal teilzunehmen.
Bis diesen Frühling hatte ich immer eine Ausrede für mich. „Wie schleiche ich mich an einem Freitag oder Samstag von der Familie weg mit meinen Frauensachen?“
Da sich inzwischen meine familiäre Situation geändert hat, habe ich nun alle 14 Tage ein Wochenende für mich.
Vor ein paar Monaten fiel so ein Wochenende auch auf den Termin des Monats-Treffen von GWHF. Ich fuhr zurechtgemacht auf den Parkplatz und beobachtete eine Weile die Szenerie. Schliesslich gewannen aber meine Ängste die Oberhand und ich fuhr wieder nach Hause.
Das Dezembertreffen fiel wieder auf mein freies Wochenende. War seit Tagen supernervös. Habe ein paar Mails an GWHF gesendet. Auch dass mir noch viele Sachen fehlen, wie z.B. eine Perücke und dass ich das Schminken überhaupt nicht beherrsche. Dass mich ein Blinder als Mann in Frauenkleider erkennt.

Ich bekam supernette Antworten. Dennoch verliess mich der Mut am Vorabend. Am frühen Nachmittag fuhr ich an Wangen an der Aare vorbei. Da entschied ich mich, nun meinen ganzen Mut zusammenzunehmen und doch mal zu hinzugehen. Nun wurde es etwas stressig. Schnell nach Hause, Rasieren, Duschen, Haarewaschen usw. Zum Glück habe ich mir auf dem Weg nach Hause schon überlegt, was ich anziehen will. Also hopp, hopp. Für das Föhnen hat es nicht mehr ganz gereicht. Ab ins Auto und nach Wangen an der Aare und Auto parkieren. Komisch, da war ich noch gar nicht nervös. Nach ca. 5-10 Minuten stieg ich dann aus und prompt bekam ich weiche Knie. Ich lief dennoch zum Eingang wo ein paar Damen standen. Zum Glück war es schon etwas dunkel. Kurz vor ihnen bog ich nach links. Puh, sie haben mich nicht gesehen. Also zurück zum Auto. Nein, nach ein paar Schritten sagte ich mir „jetzt oder nie“. Ich drehte um, wünschte einer der Frauen einen schönen Abend und ging hinein.

Ich war sehr überrascht wie viele schon da waren. Ich grüsste verlegen in die Runde. Ich entschuldige mich hier noch mal, dass ich mich nicht bei
jeder vorstellte. Aber ich war mega nervös. Nach einer Weile sagte man mir, dass es eventuell keinen Platz mehr für mich hätte, da ich ja nicht
angemeldet war. Ich erwiderte „Kein Problem. Vielleich passt es ja das nächste Mal. Immerhin bin ich schon mal bis hierher gekommen.“. . . Es hat dann doch geklappt, es hatte noch einen freien Platz und ich durfte mit an den Tisch.
Wie erging es mir an diesem Abend: am Anfang war ich sehr, sehr nervös. Ich hatte aber so tolle Gespräche, dass ich mich sehr schnell wohlfühlte. Es war für mich ein wunderschöner Abend mit wirklich sehr, sehr netten Frauen. . . und ich lebe noch😊 Ich danke euch viel, viel mal. Vielleicht treffen sich meine freien Wochenenden wieder mal mit einem Anlass von GWHF. Dann wird mir eine Teilnahme bestimmt schon sehr viel leichter fallen.

Liebe Grüsse
Gabo

PS: da ich keine Fotos von mir veröffentlichen möchte, schmücke ich den Bericht mit meinen Lieblingsblumen.